Erfahrungsbericht Betriebsarzt

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Gesundheitsexperte in der Kommunikation zwischen Unternehmen und Mitarbeitern

Mein beruflicher Werdegang wirkt für viele vielleicht unorthodox, da ich erst nach einem abgeschlossenen BWL-Studium begonnen habe, Medizin zu studieren. Auf diese Weise war für mich bereits bei Studienbeginn ein Quereinstieg gegeben, der mich von der Organisations- und Personalentwicklung, in die Medizin führte. Was meine spätere Arbeit als Mediziner angeht war für mich klar, dass ich einen Schwerpunkt legen möchte. Ich wollte das klassische Feld der Arzt-Patienten-Beziehung  um die Personal- und Arbeitsorganisation erweitern, um so als Betriebsarzt mehr in den Unternehmen und damit der Gesellschaft bewirken zu können.

Diese Eigenschaften sollte ein Betriebsarzt mitbringen

In Bezug auf die Weiterbildung zum Facharzt für Arbeitsmedizin empfand ich es als besonders wichtig, eine breite klinische Weiterbildung zu haben. und das würde ich so auch jedem empfehlen. Man erlernt mit Notfällen umzugehen, vertieft die Arzt-Patienten-Kommunikation und erweitert sein medizinisches Fachwissen. Die Jahre in einer Klinik sind also eine wertvolle Grundlage für einen Job in der Arbeitsmedizin. Denn erst die Erfahrung in klassischen Bereichen, wie der Inneren Medizin, Chirurgie oder der Allgemeinmedizin, ermöglicht es, verschiedene Ausprägungen von Gesundheit und Krankheit zu erkennen und deuten zu lernen. Deshalb bin ich auch neben meinem Job weiterhin in der Notfallmedizin tätig.

Betriebsarzt in der Arbeitsmedizin

Eine wichtige Eigenschaft für den Beruf des Betriebsarztes ist die Neugierde. Für mich war schon durch meinen Werdegang klar, dass mich die Unternehmen in ihrer Struktur interessieren. Das ist auch wichtig, denn ohne ein gewisses Interesse zu entwickeln, wird der Betriebsarzt der Organisation nicht bestmöglich beratend zur Seite stehen können. Das besondere an meinem Beruf: Man kann über die ärztliche Rolle hinaus wachsen und bis in das Management vorstoßen. Somit kann der Betriebsarzt nicht nur durch seine medizinische Fachkenntnis die Gesundheit fördern, sondern auch den Aspekt Prävention stärker beeinflussen. Deshalb würde ich jedem empfehlen, sich auch auf akademischen Weg mit der Ökonomie auseinanderzusetzen, sei es mit einem MBA oder einem anderen postgraduierten Studiengang, auch begleitend zur Weiterbildungszeit.

Unterschiede zwischen Werksarzt und Arzt im überbetrieblichen Dienst

Der Arbeitsalltag eines Betriebsarztes kann sich je nach ausgeschriebener Stelle sehr unterschiedlich gestalten. Es ist vorallem davon abhängig, ob der Betriebsarzt als Werksarzt oder im überbetrieblichen Dienst angestellt ist.

In meinem Fall arbeite ich als Letzterer, wodurch meine Arbeitstage durch viel Abwechslung bestimmt sind. Zum einen gibt es Zentrumstage, an denen beispielsweise Eignungsuntersuchungen durchgeführt werden. Der Ablauf in meinem Job ist der selbe wie in einer normalen Praxis, nur dass nach arbeitsmedizinischen Kriterien untersucht werden.

Teambesprechung - Betriebsarzt in der Arbeitsmedizin Zum anderen gibt es Tage an denen direkt im Unternehmen vor Ort gearbeitet wird. Die Ergonomie, die Arbeitsplatzsicherheit, aber auch das betriebliche Gesundheitsmanagement werden in meinem Job überprüft. Zudem kommen die Sitzungen im jeweiligen Arbeitsschutzausschuss dazu. Dort wird mit der Fachkraft für Arbeitssicherheit, dem Personalvertreter und dem Unternehmensvertreter zusammen gearbeitet, um die Gesundheitsquote im Unternehmen zu erhöhen. Dieser Ausschuss findet vier Mal jährlich statt. Das spannende an der Arbeit als Arbeitsmediziner im überbetrieblichen Dienst ist der Einblick in verschiedene Unternehmen und Branchen. Genau das ist es, was die Arbeit so abwechslungsreich und meinen Beruf so interessant macht.

Der Werksarzt hingegen ist stationär im Unternehmen angestellt, somit fallen Reisen zwischen den Unternehmen weg. Dafür entwickeln Werksärzte in der jeweiligen Branche des Unternehmens Fachkenntnisse und können sich in ihren Job mit ihren Aufgaben auf ein Unternehmen konzentrieren.

Auch Betriebsärzte haben Herausforderungen

Herausforderungen bietet der Beruf und die Stelle als Arbeitsmediziner reichlich. Mit den Unternehmen plant und entwickelt der Arbeitsmediziner Gesundheitsaktionen und setzt diese um. Er ermöglicht, dass chronisch erkrankteMitarbeitern, durch Gestaltung der Arbeitsplätze, arbeitsfähig und produktiv im Arbeitsleben zu bleiben. Dieses Wirken geht über den Arbeitsplatz hinaus und kann das Leben des Mitarbeiters auch im Privaten positiv beeinflussen.

Auch die Kommunikation ist eine besondere Herausforderung. Die Strukturen der Unternehmen sind häufig anders als die von Kliniken. Es herrscht eine andere Dynamik, eine andere Art des Umgangs. Die Herausforderung liegt darin, in seiner eigenen Sprache fachfremden Menschen Inhalte vermitteln und sich auf Augenhöhe verständigen zu können. Denn letztendlich entscheidet der Umgang mit den Mitarbeitern über den eigenen Erfolg. Gleiches gilt auch für die Ausbildung. Wenn ich selber in Bereichen wie Ökonomie, Chemie oder Fahrzeugtechnik gearbeitet habe, fällt mir die Kommunikation in entsprechenden Betrieben deutlich leichter.

Im Vergleich zu Kliniken hat die Arbeitsmedizin auch den Vorteil, dass der Job geplanter gestaltet werden kann. Teilzeittätigkeiten sind möglich, wodurch der Beruf familienfreundlicher ist.
Andererseits sind auch internationale Einsätze möglich. Ich selber habe in China studiert und später dort ein Jahr in einer gesundheitsberatenden Tätigkeit für ein deutsches Unternehmen gearbeitet. Auf solche Weise können eben Arbeitsmediziner eine Wirkung erreichen, die Haus- und Klinikärzte oft in dieser Form nicht haben können.