Erfahrungsbericht: Senior Project Leader Clinical Systems IT

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Senior Project Leader Clinical Systems IT

Das Spannungsfeld zwischen Informatik und Life Science hat mich schon immer fasziniert. Daher habe ich Ende des letzten Jahrtausends angefangen Biologie zu studieren, um mich dann während des Hauptstudiums auf Bioinformatik zu spezialisieren. In diesem Bereich habe ich dann sowohl mein Diplom als auch die anschließende Promotion abgelegt. Danach stellte sich die Frage: Was nun? Mir war klar dass sich die typische akademische Laufbahn nicht mit meinen Plänen für die Zukunft vereinen ließ. Ich habe mich also erkundigt, welche weiteren beruflichen Möglichkeiten es für Bioinformatiker wie mich gibt. Es folgte meine erste Anstellung bei einer mittelständischen Unternehmensberatung bei welcher ich als Berater im Bereich Infrastruktur tätig war. So konnte ich viele Unternehmen, Unternehmensprozesse und Arbeitsweisen kennenlernen. Über Networking eröffnete sich mir dann drei Jahre später die Möglichkeit in der pharmazeutischen Industrie zu arbeiten, was auch mein mittelfristiges Ziel war. Ich stieg bei UCB (einem biopharmazeutischen Unternehmen) als IT-Projektleiter ein und arbeite dort nun mittlerweile als Senior Project Leader im Bereich Clinical Systems.

Arbeitsalltag

App-EntwicklungEinen typischen Arbeitsalltag zu schildern ist eher schwierig, denn die Projektleitung umfasst alle Projekte des Clinical-Development-Umfelds, in welche die IT-Abteilung involviert ist. Hauptsächlich bin ich für die Leitung, Organisation und das Management der Projekte zuständig – von der Initiierung über die Ausführung bis zum erfolgreichen Abschluss. Des Weiteren suchen wir immer wieder neue Ideen oder innovative Ansätze, wie Informationstechnologien im Bereich Clinical Development eingesetzt werden können, um den Prozess der Arzneimittelentwicklung zu verbessern.

Methodisch helfen uns dabei intern entwickelte Projektmanagement Tools. Die Agilität dieses Systems steigern wir zurzeit stetig, da sowohl häufige Interaktion mit den verschiedenen Stakeholdern notwendig ist, als auch die Situation besteht, dass die Entwicklung von mobilen Applikationen von einem iterativen Vorgehen lebt.

Notwendige Voraussetzungen

In meinem Beruf sind sicherlich eine große Neugierde und ein ausgeprägtes Interesse an neuen Technologien hilfreich. Fachlich gesehen ist selbstverständlich ein solides Grundverständnis der Informatik notwendig. Ich hatte bei UCB die Möglichkeit mich in die entsprechenden Bereiche einzuarbeiten, so dass ich keine speziellen fachlichen Qualifikationen, z.B. bezüglich bestimmter Systeme, mitbringen musste. Ansonsten sollte man offen für Neues sein und keine Angst vor Veränderungen haben. Als Projektleiter bedarf es natürlich einer organisierten und strukturierten Arbeitsweise. Außerdem sind analytische Fähigkeiten von Vorteil, um neue Situationen zu erfassen, auszuwerten und dann entsprechend für sich zu verarbeiten.

Auf jeden Fall von großer Relevanz ist interkulturelle Kompetenz – also der richtige Umgang mit Projektmitgliedern, die aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen kommen. UCB ist eine belgische Firma, daher habe ich nicht nur Kollegen, die in Deutschland ansässig sind, sondern auch solche aus Belgien, den USA, Indien oder Japan. Es ist schon eine besondere Herausforderung die beteiligten Personen in die Projektarbeit mit einzugliedern und den entsprechenden kulturellen Hintergrund dabei zu berücksichtigen.

Des Weiteren ist Kommunikationstalent und Freude an Präsentationen für diese Position erforderlich. Die pharmazeutische Industrie ist nach wie vor eher konservativ aufgestellt. Klinische Studien finden z.B. teilweise immer noch auf dem Papier statt. Hier ist es notwendig die relevanten Abteilungen oder Stakeholder in den Projekten davon zu überzeugen, dass neue Technologien, wie mobile Applikationen, einen riesigen Vorteil bieten können, wenn diese vernünftig und den Anforderungen entsprechend in den klinischen Studien eingesetzt werden. Diese Überzeugungsarbeit zu leisten ist definitiv anspruchsvoll und erfordert viel Fingerspitzengefühl.

Bei UCB fungiere ich ferner als Schnittstelle zwischen der IT-Abteilung und weiteren Geschäftsbereichen. Das bedeutet, dass ich auf der einen Seite natürlich viel mit IT-Kollegen zusammenarbeite, die meistens einen stark technischen Hintergrund besitzen, in deren Wahrnehmung aber viele andere Geschäftsprozesse weniger im Vordergrund stehen. Auf der anderen Seite habe ich aber auch mit Medizinern oder mit klinischen Teams zu tun, welche meistens relativ wenig Bezug zur technischen Seite haben. Entsprechend muss ein Projektleiter gut im Bereich Softskills aufgestellt sein, sich also auf das jeweilige Gegenüber kommunikativ einlassen können. Das heißt er muss einerseits in der Lage sein, auf einer komplexen technischen Ebene mit den Kollegen zu diskutieren, muss genau diese Inhalte aber andererseits auch in einfachen Worten in ihren Zusammenhängen begreiflich und verständlich machen.

Was mich antreibt

Was stark motivierend auf mich wirkt, ist mit eigenen Ideen und innovativen Technologien die Neugestaltung von Geschäftsprozessen transformativ und innovativ voranzutreiben – speziell was die Durchführung klinischer Studien angeht. Hier kann etwas entwickelt werden, dass den Patienten, die zum Teil an schweren Erkrankungen leiden, ein Stück weit das Leben leichter macht. Zusätzlich wird etwas Nachhaltiges geschaffen, das vielleicht vielen weiteren Menschen helfen kann. Einen „footprint“ zu hinterlassen und die Firma voranzubringen, das ist etwas, das mir sehr viel Spaß macht und mich zu Höchstleistungen trägt. Natürlich bin ich auch unglaublich stolz, wenn ich eine App entwickelt habe, die mit allerlei Herausforderungen gespickt war, diese dann Anwendung im Rahmen einer klinischen Studie findet und es ein positives Feedback der Patienten gibt. Es ist schön zu sehen, wie sich ein solches Projekt von der Idee bis hin zur fertigen App entwickelt.
Außerdem macht es mir Freude mit Menschen aus den verschiedensten Teilen des Globus zusammen zu arbeiten und so meinen Horizont – nicht nur fachlich – immer wieder zu erweitern.

Der Weg zum Ziel ist nicht immer der direkte

Ich denke nicht, dass es einen typischen Weg gibt, der auf eine ähnliche Position wie die meine führt.

In meiner Abteilung sind viele meiner Kollegen Naturwissenschaftler oder Ingenieure, die ein großes Interesse an IT im Allgemeinen haben. Ein solcher wissenschaftlich-technischer Hintergrund kann die Kommunikation sogar teilweise erleichtern, ist aber natürlich nicht zwingend erforderlich.

In jeden Fall würde ich denjenigen, die sich in dieselbe Richtung orientieren wollen, raten die Scheuklappen abzunehmen und nach links und rechts zu schauen. Natürlich darf der große Plan im Leben nicht aus den Augen verloren werden, aber man sollte nicht davor zurückscheuen, auch mal den geradlinigen Weg zu verlassen und gegebenenfalls über Umwege an sein Ziel zu kommen. Eigentlich ist das auch ein genereller Tipp für alle, die sich überlegen, wie es für sie weiter geht. Viele meiner Kollegen oder Studienkollegen waren stark fokussiert und spezialisiert. Das ist für die akademische Laufbahn sicherlich wichtig und notwendig. Sollte der Weg aber in die Welt außerhalb der Universität gehen, muss ein Umdenken stattfinden. Das Bewusstsein darüber, dass vielfältigere Erfahrungen und zielgerichtete aber individuelle Wege den beruflichen Werdegang vielleicht positiver beeinflussen als der Versuch möglichst wenig von seinem Fachgebiet abzurücken, halte ich für sehr wichtig.

 

Dr. Jan Hendrik Teune
Senior Project Leader Clinical Systems
UCB Pharma GmbH