Praktikum für Wissenschaftler

Wer keine akademische Laufbahn plant, sollte sich bereits vor dem Studienabschluss mit der praktischen Arbeit außerhalb der Universität vertraut machen, um sich besser zu orientieren, welchen Beruf er später anstreben möchte. Ein freiwilliges Praktikum ist eine ideale Möglichkeit, über den Tellerrand des Studiums hinauszuschauen, Praxisluft zu schnuppern und erste Kontakte in die Berufswelt zu knüpfen.

Zudem erleichtert die praktische Erfahrung eines Praktikums später die Stellensuche. Möchten Sie, wie viele Wissenschaftler, eine Laufbahn in der Forschung einschlagen, ist es sicherlich sinnvoll, einen Praktikumsplatz zu suchen, der fachspezifisch ist und die Themenkomplexe des Studiums aufgreift. In den Naturwissenschaften ist dies jedoch besonders schwierig, da eine produktive Mitarbeit in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung meist erst in höheren Semestern erfolgen kann.

Außerdem sind Praktikumsplätze in diesen Bereichen rar und begehrt. Wer eine praktische Forschungstätigkeit ausüben möchte, sollte sich daher frühzeitig um einen Praktikumsplatz bemühen. Es lohnt sich aber auch, sich anderweitig umzuschauen: Gerade Naturwissenschaftler mit ihrer stark labor- und forschungsorientierten Sichtweise können versuchen, andere Geschäftsbereiche auszukundschaften.

Wie funktioniert der Vertrieb von erklärungsbedürftigen Investitionsgütern, z.B. Laborgeräten oder Pharmaka? Wie läuft die Produktion von Chemikalien ab? Wie kauft man Rohstoffe zur Weiterverarbeitung im Einkauf? Was ist der Sinn einer Patentabteilung? Was macht eine Marketingabteilung? Praktika in diesen Bereichen ermöglichen es, wichtige fachübergreifende Qualifikationen und Erfahrungen zu sammeln, die oft im Studium nicht vermittelt werden.

Planung: Wann und wie lange?

Ein Praktikum ins Studium zu integrieren, wird gerade im Zuge der neuen, straff durchstrukturierten Bachelor- und Masterstudiengänge immer schwieriger. Man sollte sich daher rechtzeitig informieren, wann welche Prüfungen und Pflichtveranstaltungen im Studium anstehen und die Zeit für ein Praktikum sorgfältig planen.

Wer vorher weiß, dass während der Praktikumszeit Pflichtveranstaltungen in der Uni besucht werden müssen, kann das bereits im Vorstellungsgespräch erwähnen und versuchen, für diese Zeit frei zu bekommen. Nach Möglichkeit sollte ein Praktikum als durchgehender zeitlicher Block absolviert werden, um die Abläufe in der Abteilung vollständig mitzubekommen und zu verstehen.

Ein Teilzeit-Praktikum während des Semesters ist grundsätzlich möglich, könnte aber dazu führen, dass eigene Projekte während des Praktikums durch seltene oder kurze Anwesenheit erschwert werden. Unter Umständen sollten Studenten darüber nachdenken, ein Semester mehr für ihr Studium einzuplanen, um Zeit für ein Praktikum zu schaffen.

Ein Praktikum, das zur generellen Berufsorientierung gedacht ist, sollte man spätestens zwei Semester vor dem Abschluss absolvieren. Die ideale Länge eines Praktikums hängt von der individuellen Zielsetzung ab. Für ein einfaches „Reinschnuppern“ in einen Betrieb genügen zwei Wochen. Möchte man jedoch Kompetenzen erwerben und verstehen, wie eine Abteilung oder gar ein Unternehmensbereich funktioniert, ist dies kaum unterhalb von vier bis sechs Wochen zu schaffen.

Oftmals ist auch eine längere Einarbeitungszeit erforderlich: Sicherheitsbestimmungen, Sicherheitskurse und Laborrichtlinien müssen berücksichtigt werden, bevor eine wissenschaftlich- technische Arbeit im industriellen Umfeld aufgenommen werden kann. Gibt es die Möglichkeit, als Praktikant im Betrieb eigene Projekte zu gestalten, wird dies erst im Rahmen einiger Monate Arbeitszeit möglich sein.

Für einen guten Einblick in einen Arbeitsbereich reichen in der Regel drei Monate. Längere Praktika sind nur dann sinnvoll, wenn der eigene Arbeitsbereich ständig erweitert wird, oder wenn die Studienordnung ein längeres Praktikum vorschreibt. Auslandspraktika sollten dagegen mindestens einen Umfang von sechs Monaten haben, um als „echte“ Auslandserfahrung zu gelten. Hier sollte zudem frühzeitig mit der Planung und Vorbereitung begonnen werden:

Die Finanzierung ist zu sichern, Praktikumsplatz und Unterkunft müssen gefunden werden, Flüge gebucht und unter Umständen Visa beantragt werden. Insbesondere bei Praktika in den USA sollte zudem viel Zeit für sicherheitsrelevante Vorbereitungen eingeplant werden. Wer den organisatorischen Aufwand scheut, kann sein Auslandpraktikum grundsätzlich auch
von einer darauf spezialisierten Agentur vermitteln lassen, was aber teils mit hohen Kosten verbunden sein kann.

In einem guten Praktikum erhält der Praktikant realistische und umfassende Einblicke in die Arbeit, die die Erweiterung der Kompetenzen ermöglichen. Er soll jedoch keine reguläre Arbeitsstelle ersetzen. Die vorgegebenen Arbeitszeiten sollte ein Praktikant möglichst einhalten können und keine regelmäßigen Überstunden machen müssen.

Dauert das Praktikum länger als wenige Wochen, sollte es zudem vergütet sein. Ist ein geeigneter Praktikumsplatz gefunden, gilt es, das Praktikum zu einem vollen Erfolg zu machen.

Damit dies gelingt, sollten Sie sich im Vorhinein überlegen, was Sie von dem Praktikum erwarten, um gezielt darauf hinarbeiten zu können. Gleichzeitig sollten Sie offen für Neues sein und sich auch auf Aufgaben einlassen, die ungewohnt oder unerwartet sind. Gerade wer das Unternehmen als späteren Arbeitgeber in Betracht zieht, sollte beweisen, dass er engagiert, lernwillig und offen für neue Herausforderungen ist. Feedback, Kritik und Ratschläge der Vorgesetzten und Mitarbeiter sollte man reflektieren und beherzigen, um sich und die eigene Arbeit ständig zu verbessern.

Umgekehrt kann ein Praktikant auch dem Arbeitgeber Feedback geben, ob er zufrieden ist und was er gerne noch lernen möchte. Selbstverständlich sollten Sie stets freundlich und hilfsbereit sein. Wenn es die Zeit erlaubt, kann man sich nach neuen Aufgaben erkundigen.

Und wenn es nicht klappt?

Gelingt es nicht, ein Praktikum in das Studium zu integrieren, gibt es durchaus bedenkenswerte Alternativen. So kann man zum Beispiel auch als studentische Aushilfe oder Werksstudent wertvolle Praxiserfahrung sammeln und Kontakte knüpfen. Derjenige, der im Praktikum feststellt, dass ihm der vermeintliche Traumjob doch nicht liegt, sollte sich nicht entmutigen lassen. Er hat nämlich eine wichtige Erfahrung gemacht und vor dem Ende des Studiums besteht noch die Möglichkeit, sich neu zu orientieren.

Tipps

  • Nutzen Sie Praktika, um Ihren Erfahrungsschatz außerhalb des Studiums oder der Ausbildung aufzubauen
  • Planen Sie Ihr Praktikum insbesondere im Hinblick auf die Arbeitsinhalte
  • Bauen Sie Kontakte auf und nutzen Sie den Erfahrungsschatz von Kollegen
  • Praktika, welche mehrere Monate dauern, sollten vergütet werden
  • Lassen Sie sich nach dem Praktikum eine Praktikumsbescheinigung mit den Arbeitsinhalten oder ein Arbeitszeugnis ausstellen