Vergütung in der Industrie

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Eine Frage des Geldes

„Bitte senden Sie Ihre Bewerbung unter Angabe Ihrer Gehaltsvorstellungen an…“ Dieser letzte Satz in Stellenanzeigen löst bei vielen Bewerbern große Unsicherheit aus. Man möchte sich schließlich weder unter Wert verkaufen, noch sich mit übermäßig hohen Gehaltsvorstellungen sofort aus dem Rennen katapultieren.

Noch schwieriger wird es in den konkreten Gehaltsverhandlungen: Da sollte man seinen Gehaltswunsch verteidigen und mit Argumenten untermauern können. Den eigenen „Marktwert“ zu kennen, ist dazu unverzichtbar. Nur: „Wie ermittelt man diesen?“ Vergleichszahlen können hierbei hilfreich sein: Was verdienen andere in meiner Position?

Es ist wichtig den eigenen "Marktwert" zu kennen

Sollten Sie schon eine konkrete Stelle im Auge haben, informieren Sie sich zunächst, ob der Arbeitgeber einem Branchenverband angehört. Versuchen Sie bei Gewerkschaften oder anderen Arbeitnehmerverbänden Vergleichszahlen zu recherchieren.

Besonders einfach geht das, wenn der Arbeitgeber an einen Tarifvertrag gebunden ist. Einen sehr hoch dotierten Tarifvertrag bietet beispielsweise die Chemiebranche. Sind über Arbeitnehmerverbände keine Vergleichszahlen erhältlich, nutzen Sie für Ihre Recherchen Gehaltsvergleichsportale im Internet.

Dort gemachte Angaben sind allerdings mit Vorsicht zu genießen, da sie nicht immer repräsentativ sind. Denn besonders hohe oder niedrige Gehaltsangaben, verzerren die Ergebnisse. In der Gehaltsverhandlung sollten Sie auf jeden Fall mit einem Wert beginnen, der über Ihren Minimalvorstellungen liegt, um noch verhandeln zu können.

Grundsätzlich hängt das Gehalt von verschiedenen Faktoren ab, die Sie bei Ihren Überlegungen berücksichtigen sollten. Dazu gehören Unternehmensgröße, angestrebte Position innerhalb des Unternehmens, die Lebenshaltungskosten vor Ort, Ihr höchster Abschluss und Ihre Berufserfahrung.

Einstiegsgehälter Naturwissenschaftler und Ingenieure nach Unternehmensgröße

Die Einstiegsgehälter von Naturwissenschaftlern und Ingenieuren können je nach Unternehmensgröße sehr unterschiedlich ausfallen. Berufseinsteiger haben eine deutlich bessere Verdienstmöglichkeit, wenn sie bei großen Unternehmen anfangen. Außerdem können in der Regel Ingenieure mit einem höherem Einstiegsgehalt als Naturwissenschaftler rechnen. Bei mittelgroßen Unternehmen (101-1000 Mitarbeiter) liegt das durchschnittliche Einstiegsgehalt für Naturwissenschaftler bei 43.993 Euro und für Ingenieure bei 44.396 Euro.

Monatseinkommen Chemielaboranten nach Tarifbindungen und Betriebsgrößen in €

Dies ist auch bei Chemielaboranten der Fall. Hier zeigt sich, dass größere Unternehmen höhere Monats-gehälter zahlen.

Einstiegsgehälter Naturwissenschaftler nach Branchen

Studenten sollten sich schon vor ihrem Studienabschluss entscheiden in welcher Branche sie nach dem Studium arbeiten möchten. Denn bei den Einstiegsgehältern zeigen sich branchenspezifische Unterschiede. So können Berufseinsteiger beispielsweise in der Chemiebranche ein weitaus höheres Einstiegsgehalt erwarten, als in einem Forschungsinstitut.

Einstiegsgehälter Ingenieure nach Branchen
Monatsverdienste Chemielaboranten nach Branchen

Ebenso kann das Monatseinkommen bei Chemielaboranten je nach Branche stark variieren. Daher sollten angehende Chemielaboranten sich bei der Frage nach der Wunschbranche ebenso damit auseinandersetzen, wie die Gehälter dort aussehen. Während ein Chemielaborant in der Branche der chemischen Erzeugnisse bis zu 3.125 Euro im Monat verdient, kann in der Nahrungs- und Genussmittelherstellung hingegen mit maximal 2.239 Euro gerechnet werden.
Einstiegsgehälter Naturwissenschaftler nach Berufsposition

Arbeitsgebiete, die näher am „Geldverdienen“ des Unternehmens sind wie z.B. die Unternehmensberatung, werden besser vergütet als solche Unternehmensbereiche, die eher „umsatzfern“ arbeiten wie z.B. das Qualitätswesen oder die Klinische Forschung. Dabei können sich Differenzen von bis zu 15.000 Euro im Jahresgehalt bemerkbar machen.

Einstiegsgehälter Ingenieure nach Berufsposition

Während die gehaltliche Spanne zwischen den Berufspositionen bei Naturwissenschaftlern groß ist, zeigen sich bei ingenieurwissenschaftlichen Berufen gehaltlich nur geringe Unterschiede.

Einstiegsgehälter Naturwissenschaftler nach Region

Je nach Region variieren die Einstiegsgehälter für Naturwissenschaftler. Denn je nachdem, ob im Westen oder Osten Deutschlands eine Tätigkeit aufgenommen wird, können Abweichungen zwischen 5.000 bis 9.000 Euro pro Jahr (Brutto) auftreten.

Gehaltsunterschiede nach Hochschulabschluss

Auch der Hochschulabschluss spielt eine bedeutende Rolle bei der Gehaltsfrage. So korreliert das Einstiegsgehalt mit der Höhe des Akademischen Abschlusses.

Monatseinkommen Chemielaboranten nach Berufserfahrung

Berufserfahrene Bewerber können ein weiteres Kriterium heranziehen: Wie viel haben Sie bisher verdient? Bei einem Jobwechsel können Sie auf Grundlage Ihres bisherigen Verdienstes eine Gehaltssteigerung anvisieren. Übernehmen Sie zudem in Ihrem künftigen Job Personalverantwortung, können Sie mit einer entsprechend höheren Vergütung rechnen. Es gilt jedoch zu beachten, dass auch das Gehalt von Führungskräften regionalen Unterschieden unterliegt.

Wenn Sie Zahlen für vergleichbare Positionen recherchiert haben, überlegen Sie, ob Sie für die ausgeschriebene Stelle Zusatzqualifikationen mitbringen, die sich gehaltssteigernd auswirken könnten. Orientieren Sie sich dabei an der Leitfrage: „Welchen Mehrwert biete ich dem Arbeitgeber?“. Dieser Mehrwert kann zum Beispiel in Ihrer Berufserfahrung, in speziellen Kenntnissen oder Auslanderfahrung bestehen. Auf Basis der oben genannten Kriterien modifizieren Sie Ihre Gehaltsvorstellungen. Dabei sollten Sie das Jahresgehalt inkl. aller Zusatzleistungen berücksichtigen. Diese können bis zu 15% der Gesamtvergütung ausmachen.

Worin können solche Zusatzleistungen bestehen? Zum einen kann es sich dabei um zusätzliche Geldauszahlungen handeln – etwa in Form von Prämien, Urlaubs-, Weihnachtsgeld oder zusätzlichen Monatsgehältern. Viele Unternehmen bieten auch eine betriebliche Altersvorsorge an. In diesem Fall sollten Sie abklären, in welcher Form diese angeboten wird, nach wie vielen Jahren Betriebszugehörigkeit Ansprüche erreicht werden können und ob die Ansprüche bei einem Jobwechsel bestehen bleiben.Zum anderen können Zusatzleistungen in der Bereitstellung von Dienstwagen, Handys und -Notebooks bestehen. Diese bieten sich in Positionen mit Reistätigkeit an. Beachten Sie, dass solche Zusatzleistungen – ob monetäre Leistungen oder Sachleistungen – unter Umständen als sogenannter „geldwerter Vorteil“ gelten und somit wie ein Einkommen versteuert werden müssen. Bei einem Dienstwagen muss, zum Beispiel im Rahmen der sogenannten 1%-Regel ein Prozent des Bruttolistenneupreises monatlich versteuert werden.

Klären Sie in diesem Fall ab, ob die private Nutzung erlaubt ist und welche Kosten entstehen. Der Weg zum Arbeitsplatz kann auch Gegenstand von Zusatzleistungen sein, etwa in Form von vergünstigten ÖPNV- oder Zugtickets oder der Finanzierung des Umzugs an den Arbeitsort.

Weitere Zusatzleistungen können Betriebskindergärten, Personalrabatte auf die Produktpalette des Unternehmens, Freizeitangebote (z.B. betriebseigenes Fitnessstudio), Mitarbeiteraktien, subventionierte Mahlzeiten (z.B. in einer Kantine) oder günstige Kreditangebote sein.

Die genannten Zahlen und Tendenzen sind Anhaltspunkte, die Ihnen helfen sollen Ihre Gehaltsvorstellungen zu konkretisieren und ihren Gehaltswunsch in künftigen Vorstellungsgesprächen zu argumentieren. Die Unternehmen selbst orientieren sich an firmeninternen Gehaltsbändern – also Unter- und Obergrenzen für Bruttogehälter, die Stellen mit gleichwertigen Anforderungsprofilen und Verantwortungsbereichen zusammenfassen.

An welcher Stelle Sie in das Gehaltsband einsteigen, ist abhängig von Ihrem Verhandlungsgeschick. Gerade für Berufseinsteiger sind die ersten Gehaltsverhandlungen eine Herausforderung. Bedenken Sie aber: Ihr Einstiegsgehalt ist nicht in Stein gemeißelt. Mit zunehmender Berufserfahrung, der Übernahme weiterer Aufgabenbereiche oder Personalverantwortung können Sie über die Höhe Ihres Gehalts verhandeln.

Solche Verhandlungen über eine Gehaltserhöhung sind gerade Naturwissenschaftlern und Ingenieuren oft unangenehm. Möchten Sie keinen Extra-Termin bei Ihrem Chef machen, nutzen Sie das jährliche oder halbjährliche Mitarbeitergespräch, um über eine Gehaltsanpassung und/oder über mögliche Beförderungen zu sprechen.

Eine gute Vorbereitung erhöht die Chancen auf ein erfolgreiches Gespräch. Dazu gehören stichhaltige Argumente, die einen Wunsch nach mehr Gehalt rechtfertigen. Analysieren Sie dazu Ihre bisherigen Leistungen und suchen Sie nach konkreten Beispielen für den Erfolg Ihrer Arbeit, die Ihren Wert für das Unternehmen belegen.

Bei der Betrachtung verschiedener Gehaltsvergleiche lassen sich Tendenzen feststellen:

  • Große Unternehmen zahlen besser als kleine
  • Bereiche, die näher am „Geldverdienen“ sind (z.B. Unternehmensberatung oder Vertrieb), werden besser vergütet als solche Unternehmensbereiche, die eher „umsatzfern“ arbeiten (z.B. Forschung, Qualitätswesen oder Konstruktion)
  • Im Westen Deutschlands verdient man tendenziell besser als im Osten
  • (Formal) höher Qualifizierte verdienen mehr als (formal) geringer Qualifizierte
  • Ingenieure können in der Regel mit einem höheren Einstiegsgehalt rechnen als Naturwissenschaftler
  • Bei mittelgroßen Unternehmen (101-1000 Mitarbeiter) liegt das durchschnittliche Einstiegs- gehalt für Naturwissenschaftler bei 43.510 Euro, für Ingenieure bei 43.287 Euro