Berufsperspektiven für Biologen

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Biologie – die Wissenschaft mit Zukunft?

Ja, das 21. Jahrhundert ist das Jahrhundert der Life Sciences. Es gibt viele neue Arbeitsfelder, die teilweise sehr interdisziplinär sind, aber immer einen biowissenschaftlichen Kern haben. Ein Megatrend bereits seit 20 Jahren ist die rote Biotechnologie.

Wer im Zeitalter der alternden Gesellschaft z.B. wirksame Mittel gegen neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson findet, dem ist nicht nur der Nobelpreis sicher. Im Kommen sind auch techniknahe Bereiche wie Systembiologie, Bionik, Biophysik oder Nanobiotechnologie…

Welche Wege in die Life Sciences gibt es?

Neben einem Bachelor- und Master-Studium an einer Universität oder einer Fachhochschule führt auch eine Ausbildung zum technischen Assistenten oder zum Laboranten in die Forschungslabore. Für eine Karriere in der Forschung ist aber ein Doktortitel unbedingt notwendig. Biologen werden in der Regel als fachliche Spezialisten eingestellt, sprich der Einstieg erfolgt über den Bereich F&E.

In welchen Branchen arbeiten Biologen

ReagenzgläserBiologen arbeiten in den verschiedensten Bereichen. Besonders wichtig ist die Biomedizin, wo inzwischen über die Hälfte der Grundlagenforschung von Biowissenschaftlern durchgeführt wird. Aber auch in Großforschungseinrichtungen, in der chemischen oder pharmazeutischen Industrie, in den Medien, als Berater oder als Lehrkräfte – nicht nur in der Schule – sind Biologen gefragt. Sie müssen sich aber grundsätzlich entscheiden, ob Sie dauerhaft in der Forschung arbeiten wollen, in der Produktion oder im Vertrieb. Dabei kommt es weniger darauf an, ob im jeweiligen Bereich besonders viele Stellen frei sind, sondern ob die Tätigkeit zu ihnen – zu ihrer Persönlichkeit – passt.

Worauf kommt es beim Biologie – Studium wirklich an?

Entscheidend ist die Erkenntnis, dass man trotz vorgegebener Studienpläne selbst für seine Ausbildung verantwortlich ist. Gerade das Grundstudium sollte man nutzen, um möglichst breite Grundkenntnisse und eine große Vielfalt an Fähigkeiten zu erwerben. Auf einer breiten Basis kann man sich dann sehr gut spezialisieren und vor allem später bei einem sich wandelnden Arbeitsmarkt ggf. auf Wissen zurückgreifen, das außerhalb des Spezialgebiets liegt. Lebenslanges Lernen ist für jeden Biologen eine Selbstverständlichkeit.

Was vermissen Sie bei den heutigen Berufsanfängern?

Selbständiges Denken und Handeln wird in den relativ verschulten Studiengängen leider immer weniger vermittelt, aber dann von den Jungakademikern gnadenlos abverlangt. Ich würde zu Folgendem raten: Lieber ein Semester zuviel auf dem Buckel, dafür aber echte Auslandserfahrung oder ein längeres Industriepraktikum vorweisen können. Firmen wollen Persönlichkeiten einstellen, keine Roboter.

Haben Sie Tipps für die ideale Bewerbung?

Meist braucht man als Biologe nur einen Job – den richtigen. Das bedeutet, dass man sich nicht krampfhaft bei allen Firmen bewerben sollte, die einem einfallen. Ohne konkrete Anknüpfungspunkte, z.B. über persönliche Kontakte auf Karriereveranstaltungen, würde ich heute keine einzige Initiativbewerbung mehr abschicken.

Die Bewerbungen werden teilweise von Computern auf Reizworte gescannt, da sollte man lieber einen Fachausdruck zu viel als zu wenig nennen. Allerdings nicht im Anschreiben, da wird erwartet, dass man seine Bewerbung mit einem Maximum an Klarheit auf 20 Zeilen zusammenfassen kann.

Wie viel kann man als Biologe verdienen?

Ich will hier keine konkreten Zahlen nennen, aber es wird gutes Geld verdient. In der Chemie- und Pharmaindustrie wird nicht mehr unterschieden, welches Studium man absolviert hat. Hier ist bei den Einstiegsgehältern nur wichtig, ob man promoviert hat und ob man bereits Berufserfahrung außerhalb der Akademia vorweisen kann.
Ein Biologe bei der Arbeit

Es gibt klare tarifliche Vorgaben, die allerdings nicht für alle Firmen gelten. Es ist wie beim Fußball, Angebot und Nachfrage regeln den Preis. Insbesondere ist es aber auch entscheidend, welches Personalentwicklungskonzept die Firma verfolgt. Was nützt mir ein Spitzengehalt, wenn ich nach kurzer Zeit wieder ausgestellt werde. Allerdings: Wer sich unter Wert verkauft – sprich weniger als im öffentlichen Dienst üblich – hat es schwer, ohne Arbeitsplatzwechsel sein Gehalt nachhaltig zu steigern.

Wo findet man Stellenangebote?

Natürlich auf jobvector.com, schließlich haben wir als Biologenverband diese fachspezifische Online-Plattform von Anfang an begleitet! Aber Spaß beiseite. Stellenangebote werden heute zwar hauptsächlich online gestellt, aber viele Stellen werden gar nicht auf dem freien Markt ausgeschrieben.

Gerade im klassischen Bereich werden frei werdende Stellen intern oder nur in Fachkreisen bekannt. Somit gibt es neben den Jobbörsen auch einen nicht zu unterschätzenden informellen Arbeitsmarkt, den man nur erreicht, indem man in den entsprechenden fachlichen Netzwerken unterwegs ist.

Werden klassische Biologen überhaupt noch gebraucht?

In Deutschland haben wir einige Fächer, die Absolventen wenig berufliche Chancen bieten. Dies sind nicht nur Fächer wie Ökologie, klassische Botanik oder Zoologie. Auch politisch umstrittene Fächer wie die grüne Gentechnik oder die Stammzellforschung haben es nicht leicht. Oft bleibt dann nur die Entscheidung, die Karriere im Ausland fortzusetzen. Deutsche Experten sind zum Glück weltweit sehr gefragt.

Wie sind die Zukunftsaussichten?

Insgesamt ist der Arbeitsmarkt für Biologen im Moment sehr gut aufgestellt. Allerdings haben wir immer noch keinen Bewerbermarkt, da erst seit 20 Jahren Biologen verstärkt eingestellt werden und somit noch nicht mit Pensionierungswellen wie bei den Ingenieuren zu rechnen ist.

Viele der großen Probleme der Menschheit werden nur mit Hilfe der Biowissenschaften lösbar sein. Somit sind die Aussichten für Biologen exzellent. Selbst die Wirtschaftswissenschaften haben das Prinzip der Nachhaltigkeit entdeckt. Unter dem Schlagwort Bioökonomie werden wir da noch viel hören.

Entscheidend für die beruflichen Chancen wird auch die Solidarität der Biowissenschaftler sein, die sich gegen die Interessen anderer Berufsstände durchsetzen müssen. Daher das Motto des VBIO: Gemeinsam für die Biowissenschaften!

 

 

 

 

 

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