Bauleiter technische Gebäudeausrüstung – Erfahrungsbericht

Bevor ich Bauleiter einer technischen Gebäudeausrüstung wurde, machte ich zunächst nach meiner Fachhochschulreife eine Ausbildung zum Zentralheizungs- und Lüftungsbauer, gefolgt von mehreren Jahren als Projektleiter von Handwerksunternehmen. In dieser Zeit erweiterte sich mein Blick über den „Tellerrand“ hinaus. Da das Gewerk Lüftung in der Regel die größten Leitungsdimensionen hat, erlangt man im Rahmen der damit verbundenen Koordination mit anderen Handwerksfirmen auf den Baustellen in kurzer Zeit zusätzliche Schnittstellenkenntnisse. So habe ich lernen können verantwortungsvoll und effektiv Planungslücken zu schließen und Konflikte auf der Baustelle zu lösen.

Mein Studium der Verfahrenstechnik an einer nordrhein-westfälischen Fachhochschule mit dem Schwerpunkt „thermische Verfahrenstechnik“, schloss ich mit einer Diplomarbeit ab, die sich mit der Planung und Ausschreibung einer Heizungs- und Lüftungsanlage für ein Umkleidegebäude eines großen deutschen Industriekonzerns befasste. Durch die Diplomarbeit kam ich erstmalig mit der technischen Gebäudeausrüstung in Berührung.

Da dieses Berufsfeld deutliche Schnittstellen zur Verfahrenstechnik hat und ich wenig Interesse am chemischen Zweig der Verfahrenstechnik hatte, habe ich mich dort beworben. Darin habe ich mich dann weitergebildet und bin bis heute in diesem Bereich geblieben. Zunächst befand ich mich in einer Anstellung als Projekt-Ingenieur in der Lüftungstechnik. Insgesamt verbrachte ich fast acht Jahre bei verschiedenen Lüftungsunternehmen innerhalb einer vergleichbaren Position. Danach wechselte ich dann in die Position eines Bauleiters für technische Gebäudeausrüstung bei einem General-Unternehmer.

Mit technischem & handwerklichem Verständnis zum Erfolg

Die innerhalb meines Studiums erlernten fachlichen Inhalte, wie technische Mechanik, Strömungslehre, Werkstoffkunde, mechanische und thermische Verfahrenstechnik, Thermodynamik, Regelungstechnik und Anlagenbau werden für die Arbeit als Bauleiter in der technischen Gebäudeausrüstung benötigt und schaffen ein ordentliches Fundament. Um als Bauleiter und damit Projektverantwortlicher und Führungskraft erfolgreich zu sein, sind weitere Fähigkeiten wichtig. Dazu zählen beispielsweise guter Ausdruck in Wort und Schrift. Ferner sollte man die Fähigkeit besitzen, Informationen Handwerkern und Akademikern angemessen und verständlich vermitteln zu können.

Weiterhin sind dreidimensionales Denken sowie ein detailliertes technisches Verständnis für ein relevantes Baugewerk unabdingbar. Auch vertieftes Schnittstellen-Wissen zu anderen Gewerken der technischen Gebäudeausrüstung und Baugewerken sind eine Voraussetzung für die erfolgreiche Gestaltung meines Berufs. Zu den anderen Baugewerken gehören z. B. Rohbau, Ausbau, Außenanlagen, etc. Eine handwerkliche Ausbildung in einem Bauberuf, wie eine Lehre als Lüftungsbauer, Heizungsbauer oder Gas- und Wasserinstallateur hilft zudem, einzuschätzen was leistbar ist und was nicht.

Auch sollte man die betriebswirtschaftlichen Aspekte nicht unterschätzen. In der Regel gibt es für die kaufmännische Abwicklung entsprechendes Personal im Unternehmen. Dazu können gehören: rechtsgeschäftliche Durchführung von Bestellungen an Handwerksfirmen, kaufmännische Kontrolle von Handwerker-Rechnungen, Erstellung von Rechnungen an Auftraggeber, Zahlungsverfolgung beim Auftraggeber etc. In meiner Position muss man auch ein Händchen für eine gute Terminplanung sowie Kenntnisse im Vertragsrecht mitbringen.

Zusammengefasst kann man sagen, dass wer über ein ordentliches Grundwissen, Pragmatismus, Aufrichtigkeit, starke Kommunikationsfähigkeit, Leistungsfähigkeit und solide praktische Erfahrung im realen Baubetrieb verfügt, für diesen Beruf gut vorbereitet ist. Wer dann noch den Wechsel zwischen Büro und Baustelle attraktiv findet, ist in dieser Position richtig aufgehoben.

Tagesgeschäft eines Bauleiters

Wenn es um die tagtäglichen Aufgaben eines Bauleiters in der technischen Gebäudeausrüstung geht, welche meist sehr langfristig angelegt sind, ziehe ich es persönlich vor, diese tageweise zu trennen, oder zumindest höchstens zwei bis drei verschiedene Aufgaben pro Tag zu erledigen. Entsprechende Tätigkeiten wären dann zum Beispiel Angebotserstellungen auf Kunden-Anfrage, die Teilnahme an Auftragsverhandlungen und die technische Prüfung von Vertragsunterlagen. Darüber hinaus stellen die Beauftragung, die Kontrolle und die letztendliche Freigabe von Ausführungsplanungen aber auch von Ausschreibungen und Berechnungen einen relevanten Teil des Arbeitspensums dar. Generell sind Kontrollaufgaben natürlich ein Hauptbestandteil der Arbeit eines Bauleiters. So muss ferner die technische, qualitative und terminliche Ausführung auf der Baustelle kontrolliert werden. Dies ist eng mit dem organisatorischen Austausch, dem Montagepersonal und der Projektleitung der Auftragnehmer verbunden.

Auch die Teilnahme an Baubesprechungen gehören zum Tagesgeschäft. Dann müssen Aufmaßen, Massenaufstellungen und Pläne für Zwischenrechnungen und zuletzt die Dokumentationsunterlagen der jeweiligen Baustelle einer entsprechenden Kontrolle unterzogen werden. Ebenso ist der Kontakt zu Handwerksunternehmen Bestandteil meiner täglichen Arbeit. Diese müssen beauftragt werden, es müssen Mängellisten verteilt und durch die Handwerksfirmen gemeldete Mängel an den Auftraggeber freigemeldet werden.

Schließlich steht dann noch die Begleitung der Abnahme durch den Auftraggeber nach jedem Projekt auf dem Plan. All das muss natürlich so organisiert werden, dass die jeweils notwendigen Tätigkeiten rechtzeitig und so aufeinander abgestimmt ausgeführt werden. Dies dient dazu, dass die vertraglichen Anforderungen des jeweiligen Projektes eingehalten werden.

Sich weiterentwickeln und Erfolge erleben

Auch wenn sich der Erfolg anfänglich eher schleichend einstellt, etwas entstehen zu lassen und dafür Anerkennung von seinem Umfeld zu erhalten, zeigt einem die eigene Weiterentwicklung auf. Die Güte der eigenen Leistung dokumentierte sich parallel dazu in wachsenden Aufgaben sowie selbstverständlich der Steigerung des Gehalts und formalen Beförderungen. Natürlich bieten sich mit wachsender Erfahrung dann auch weitergehende Karrieremöglichkeiten. Zunächst ist man für ein, später für mehrere Projekte in der technischen Gebäudeausrüstung verantwortlich. Danach werden einzelne Gewerke-Überwachungen an weniger erfahrene Bauleiter oder besonders spezialisiertes Fachpersonal im eigenen Unternehmen delegiert. Dies wäre ein weiterer Schritt auf dem Weg in die Technische-Gebäude-Ausrüstung-Oberbauleitung oder in die technische Geschäftsführung.

Erfolgsfaktoren für Bauleiter in der technischen Gebäudeausrüstung

  • Studium im Bereich Versorgungstechnik, Verfahrenstechnik, Maschinenbau
  • Starke Kommunikationsfähigkeit
  • Dreidimensionales Denken
  • Pragmatismus
  • Technisches Verständnis für relevante Baugewerke
  • Praktische Erfahrung im realen Baubetrieb