Energiewirtschaft – Erneuerbare Energien

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Atomausstieg, Wüstenstrom, Klimawandel – die Energiewirtschaft ist in aller Munde. Die Branche bietet gute Berufsaussichten und vielfältige Tätigkeitsbereiche für Ingenieure und Naturwissenschaftler. Besondere Bedeutung kommt dabei den erneuerbaren Energien zu. Das Erneuerbare- Energien-Gesetz (EEG) hat im Jahr 2000 eine wichtige Grundlage für die Entwicklung der erneuerbaren Energien in Deutschland gelegt. Dieses Gesetz garantierte den Betreibern von Anlagen für erneuerbare Energie feste Einspeisevergütungen, die von den Netzbetreibern gezahlt werden mussten. Das EEG 2016 nimmt basierend auf den bisherigen Erfahrungen einige Anpassungen in der Vergütung vor. So wird die Förderhöhe nicht mehr staatlich bestimmt, sondern im Wettbewerb durch Ausschreibungen ermittelt.

Im Jahr 2017 betrug der Anteil erneuerbarer Energien am Strommix in Deutschland 36 Prozent, bis 2025 ist eine Steigerung auf 40-45 Prozent geplant. Kennzeichnend für die Branche der erneuerbaren Energien ist ein hoher Anteil an kleinen und mittelständischen Unternehmen.

Schon jetzt ist der Export für viele Unternehmen der erneuerbaren Energien ein wichtiges Standbein. Bis 2030 werden sich die weltweiten Investitionen in erneuerbare Energien voraussichtlich verfünffachen, wie das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) bekanntgibt.

Arbeitsmarkt erneuerbare Energien

Sustainable InnovationsWährend die Zahl der Beschäftigten in der „klassischen“ Energiewirtschaft eher zurückgeht, sind die erneuerbaren Energien ein starker Wachstumsmarkt. Deutsche Unternehmen sind im Bereich der erneuerbaren Energien Weltmarktführer. Mit der Energiewende in Deutschland ist ein weiterer Ausbau der erneuerbaren Energien und somit weitere neue Arbeitsplätze zu erwarten. Auch von einer verstärkten Nachfrage aus dem Ausland wird die Branche profitieren.

Zu den Unternehmen der erneuerbaren Energien zählen sowohl Hersteller als auch Zulieferer und Vertriebsunternehmen, sowie Unternehmen, die mit Wartung und Betrieb von Anlagen betraut sind. Der bisherige Höhepunkt der Branche brachte die Zahl von 399.800 Beschäftigten mit sich und wurde bisher nicht wieder erreicht. Innerhalb von acht Jahren hatte sich die Anzahl der Beschäftigten mehr als verdoppelt. Nach dieser Phase ging dann die Anzahl der Arbeitsplätze leicht zurück. Jedoch geht die Bundesregierung trotz kurzfristiger Konsolidierungsphase davon aus, dass die Branche der erneuerbaren Energien weiter wachsen wird.

Für das Jahr 2020 wird damit gerechnet, dass ca. 500.000 Menschen in dem Bereich beschäftigt sein werden.

Beste Chancen für Akademiker

Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker haben beste Chancen. Ein wichtiges Merkmal der Branche der erneuerbaren Energien ist der hohe Anteil qualifizierter Mitarbeiter: In den vergangenen Jahren hatten über 20% der in der Branche beschäftigten Menschen einen Hochschulabschluss. Zum Vergleich: Im Durchschnitt aller Wirtschaftsbereiche hatten im gleichen Zeitraum nur ungefähr 10% aller Beschäftigten einen Hochschulabschluss.

Für Ingenieure verschiedener Fachrichtungen sind die Karriereaussichten in der Branche hervorragend: In allen Bereichen der erneuerbaren Energien sind Ingenieure sehr gefragt, teilweise werden sie sogar händeringend gesucht. Naturwissenschaftler werden auch geschätzt, insbesondere in den Bereichen Vertrieb, Qualitätssicherung, Service und Marketing.

Je nach Branche bieten auch Forschung und Entwicklung gute Chancen. Zu einem der wichtigsten Forschungsfelder zählt die Effizienzsteigerung der Anlagen, um sie wirtschaftlicher zu machen und den Anschluss zur Konkurrenz nicht zu verlieren.

Solarenergie

Die Solarenergie-Branche ist in den vergangenen Jahren enorm gewachsen: Rekord war ein Wachstum um 400% innerhalb von acht Jahren. Auch hier sanken bundesweit die Zahlen der direkten und indirekten Beschäftigten aufgrund des Rückgangs des inländischen Marktes. Dieser Rückgang ist auf die Produktüberkapazitäten und sinkenden Preisen zurückzuführen. Es gibt viele kleine Unternehmen. Solarenergie setzt sich zusammen aus zwei großen Bereichen: Photovoltaik und Solarthermie. Im Bereich Photovoltaik hat ca. ein Viertel aller Mitarbeiter laut einer repräsentativen Erhebung einen Hochschulabschluss, im Bereich Solarthermie zwischen 10 und 20% und in solarthermischen Kraftwerken in etwa die Hälfte.

Ein wichtiges Arbeitsfeld ist die Forschung und Entwicklung bei den Modulherstellern: Um konkurrenzfähig zu bleiben, müssen Firmen die Solarmodule ständig weiterentwickeln. Der Wirkungsgrad der Solarzellen ist noch steigerungsfähig. Auch die Senkung der Kosten pro Kilowattstunde ist ein wichtiges Forschungsfeld, da die Förderung der Anlagen nach dem EEG stetig gesunken ist und seit dem EEG 2016 schließlich im Wettbewerb ermittelt wird.

Im Mai 2013 hat in Marokko der Bau des weltgrößten Solarkraftwerkes Ouarzazate begonnen, mit einer Kapazität von 160 Megawatt. Der erste Teil ging Oktober 2015 ans Netz. Dies ist aber erst der Start für ein umfangreiches Projekt zur umweltfreundlichen Energiegewinnung. Marokko plant bis zum Jahr 2020 42% seiner Stromversorgung mit erneuerbaren Energien sicherzustellen. Der enorme Ausbau in diesem Bereich könnte viele neue Arbeitsplätze schaffen.

Windenergie

1692_gerNeben der Solarenergie ist die Windenergie der größte Bereich der erneuerbaren Energien. Im Jahr 2016 waren insgesamt 160.200 Personen in dieser Branche tätig. Damit wurde ein Wachstum von fast 50% zwischen 2010 und 2015 erreicht. Diese relative Zahl klingt im Vergleich zu den anderen Bereichen der erneuerbaren Energien klein, jedoch hatte der Windenergie-Sektor auch zuvor schon viele Beschäftigte. Etwas mehr als ein Viertel der Mitarbeiter aus dem Bereich Offshore-Windenergie hat einen Hochschulabschluss.

In Deutschland ist die Windenergie schon länger beliebt, was dazu geführt hat, dass deutsche Firmen zu den Experten in Sachen Windenergie zählen und auch im Exportgeschäft stark sind. Ein Schwerpunkt in der Windenergie-Branche ist im Moment das Vorantreiben der Offshore-Windparks, also Windkraftanlagen im Meer.

Hier gibt es noch viel zu tun in Forschung und Entwicklung sowie im Anlagenbau. Aber auch „onshore“ ist einiges los: Die rasante Entwicklung in der Windenergie-Forschung in den letzten Jahren hat dazu geführt, dass unter dem Stichwort „re-powering“ derzeit viele ältere Windräder umgerüstet werden, um sie effizienter zu machen.

Geothermie

Bei der Nutzung der Geothermie geht es darum, sich die unterhalb der festen Erdoberfläche gespeicherte Wärme zunutze zu machen, indem man damit Häuser heizt oder Strom erzeugt. Bisher arbeiten nur etwa 17.300 Menschen im Bereich der Geothermie, aber die Bedeutung der Branche wächst. Zu Boom-Zeiten wuchs die Branche um satte 772% in acht Jahren und verzeichnete damit das größte (relative) Wachstum der erneuerbaren Energien! Von 2009 bis 2014 ergab sich zudem eine Wachstumsrate von 5,3% in Gesamtkapazität und Produktion. Besonders im Neubaubereich wird Geothermie immer wichtiger, da sie zu einer klimaschonenden Stadtentwicklung beiträgt. In der tiefen Geothermie sind etwa 30,9% aller Akademiker, in der oberflächlichen Geothermie 16,3% beschäftigt. Ein Berufsfeld ist hier zum Beispiel die Projektierung, bei der der Einbau von Geothermie- Techniken geplant wird.

Wasserkraft

Die Wasserkraft ist derzeit eine der wichtigsten regenerativen Energiequellen in Deutschland. Da die Wasserkraft in Deutschland aber schon lange etabliert ist und mit ausgereifter Technik arbeitet, sind hier keine großen Zuwächse an Arbeitsplätzen zu erwarten.

Bioenergie

Bioenergie wird aus Biomasse gewonnen, zum Beispiel aus Pflanzen oder Gülle. Beste Chancen auf einen zukunftsträchtigen Job im Bereich der Bioenergie haben alle, die agrarwissenschaftliches Hintergrundwissen vorweisen können. Im Bereich der Bioenergie arbeiten zwischen 29 und 57 Prozent Akademiker (bei Biogas und fester Biomasse weniger, bei flüssiger Biomasse mehr). Der Bereich Biomasse verzeichnete von 2004 bis 2012 ein Wachstum von 227%.

Den Einstieg schaffen

Die Branche ist spätestens seit dem Störfall im Jahr 2011 im japanischen Kernkraftwerk Fukushima auf dem Vormarsch. Auch die Hochschulen haben die Energiewende erreicht, die inzwischen über 300 Studiengänge in diesem Bereich anbieten. Hierzu zählen Studiengänge, die komplett auf erneuerbare Energien ausgerichtet sind oder eine Spezialisierung im Laufe des Studiums erlauben.

Aber auch motivierte Quereinsteiger aus Natur- und Ingenieurwissenschaften mit einem ausgeprägten Interesse an neuen Techniken und schneller Auffassungsgabe haben gute Chancen. Besonders gefragt sind Erfahrung und Spezialwissen.Wer sich für die Branche interessiert, sollte also versuchen, ein Praktikum in diesem Bereich zu absolvieren und entsprechende Seminare zu besuchen.

 

Die angegebenen Zahlen stammen aus verschiedenen Veröffentlichungen des BMU.