Apotheker

„Fra­gen Sie Ihren Arzt oder Apo­the­ker“. Die­ser oft ge­äu­ßer­te Hin­weis zeigt, worin heute die wich­tigs­te Auf­ga­be der Apotheker be­steht: In der An­wen­dung ihres Fach­wis­sens als Arz­nei­mit­tel­spe­zialisten bei der in­di­vi­du­el­len Be­ra­tung des Kun­den. Wäh­rend bei der Ar­beit in der Apo­the­ke also der so­zia­le Kon­takt zum Kun­den im Fokus steht, rückt die Ar­beit im Labor eher in den Hin­ter­grund.

Le­bens­wich­ti­ge Be­ra­tung als Apotheker

80% aller Apo­the­ker neh­men eine Tä­tig­keit in einer öf­fent­li­chen Apo­the­ke auf. Eine zen­tra­le Auf­ga­be in einer öf­fent­li­chen Apo­the­ke ist dabei die Ver­tei­lung und der Ver­kauf von ver­schrei­bungs­pflich­ti­gen Me­di­ka­men­ten an Kun­den, die ein Arzt­re­zept vor­wei­sen kön­nen. Darüber hinaus berät der Apo­the­ker seine Pa­ti­en­ten zu Wech­sel­wir­kun­gen und Ver­träg­lich­keit der Me­di­ka­men­te sowie zur sach­ge­rech­ten An­wen­dung und La­ge­rung. Zusätzlich berät er Patienten zur ge­sun­den Le­bens­führung.

Ferner wer­den in einer Apo­the­ke viele wei­te­re Pro­duk­te ver­kauft, die im wei­tes­ten Sinne mit dem Thema Ge­sund­heit in Ver­bin­dung ste­hen. Dazu ge­hö­ren beispielsweise frei­ver­käuf­li­che Arz­nei­mit­tel wie Hus­ten­saft oder Kopf­schmerz­ta­blet­ten, aber auch Hilfs­mit­tel wie In­ha­la­ti­ons­ge­rä­te oder Fie­ber­ther­mo­me­ter, Kos­me­ti­ka, Pfle­ge­pro­duk­te, Well­ness- Pro­duk­te und Diät­mit­tel. Auch zu die­sen Pro­duk­ten berät und in­for­miert der Apo­the­ker die Kun­den.

Ser­vice am Pa­ti­en­ten

Viele Apo­the­ken bieten außerdem Ser­vice­leis­tun­gen wie Blut­druck­mes­sung, Fern­rei­se-Impf­be­ra­tung, Er­näh­rungs­be­ra­tung oder Hilfe bei der Suche nach einem Arzt oder einer Selbst­hil­fe­grup­pe an. Ur­sprüng­lich hat ein Apo­the­ker in ers­ter Linie Arz­nei­mit­tel selbst her­ge­stellt und ver­kauft. Dies ge­schieht heute in öf­fent­li­chen Apo­the­ken nur noch sel­ten. Ge­le­gent­lich wer­den noch Sal­ben oder Cremes her­ge­stellt oder in­di­vi­du­el­le Me­di­ka­men­te, bei­spiels­wei­se für Pa­ti­en­ten mit Un­ver­träg­lich­kei­ten be­stimm­ter In­halts­stof­fe der in­dus­tri­ell ge­fer­tig­ten Me­di­ka­men­te.

Her­stel­len von Me­di­ka­men­ten

In jedem Fall wer­den nur in klei­nen Men­gen Arz­nei­mit­tel selbst her­ge­stellt. Alle Stof­fe, die dafür ver­wen­det wer­den, müssen vor­her zusätzlich auf ihre Iden­ti­tät geprüft wer­den. Dazu die­nen zum Bei­spiel mi­kro­sko­pi­sche Un­ter­su­chun­gen, che­mi­sche Ana­ly­sen oder Chro­ma­to­gra­phie.

Ebenso werden fer­ti­ge Arz­nei­mit­tel un­ter­sucht. Wer­den Feh­ler oder Un­rein­hei­ten be­merkt, wird dies an den Her­stel­ler wei­ter­ge­lei­tet, um daraufhin eine Über­prüfung ein­zu­lei­ten. Apo­the­ker leis­ten somit einen wich­ti­gen Bei­trag zur Arz­nei­mit­tel­si­cher­heit.

Ar­beits­zei­ten der Apotheker

Zudem müssen in re­gel­mä­ßi­gen Ab­stän­den Nacht- und Wo­chen­end­diens­te ab­ge­leis­tet wer­den, damit in Not­fäl­len immer eine Apo­the­ke er­reich­bar ist. Für die Not­diens­te wech­seln sich die Apo­the­ken der Um­ge­bung ab, was dazu führt, dass Apo­the­ker in länd­li­chen Um­ge­bun­gen häu­fi­ger eine Nacht „durch­ma­chen“ müssen als die Kol­le­gen in Städ­ten mit vie­len Apo­the­ken. Für die­sen Be­reit­schafts­dienst ist ent­we­der täg­lich oder wö­chent­lich eine an­de­re Apo­the­ke zu­stän­dig.

Kran­ken­haus­apo­the­ke

Neben der öf­fent­li­chen Apo­the­ke gibt es auch die Mög­lich­keit, in einer Kran­ken­haus­apo­the­ke zu ar­bei­ten. Die Tä­tig­keit dort un­ter­schei­det sich in ei­ni­gen Punk­ten von der Ar­beit in einer öf­fent­li­chen Apo­the­ke. Die Auf­ga­be des Apo­the­kers ist hier die Si­cher­stel­lung der Ver­sor­gung der Pa­ti­en­ten mit Me­di­ka­men­ten. Dazu ge­hö­ren Ein­kauf, Prüfung, La­ge­rung und Her­aus­ga­be der Me­di­ka­men­te. Der Apo­the­ker muss demnach im Blick haben, wie viel ver­braucht wird, um dafür zu sor­gen, dass im Kran­ken­haus immer genügend Me­di­ka­men­te vor­rä­tig sind.

„Kun­den“ sind hier vor allem Ärzte und Pfle­ge­per­so­nal des Kran­ken­hau­ses, die der Apo­the­ker zur An­wen­dung, Wirk­wei­se und Ri­si­ken der Me­di­ka­men­te berät. Das Her­stel­len von Me­di­ka­men­ten hat in der Kran­ken­haus­apo­the­ke einen grö­ße­ren Stel­len­wert als in einer öf­fent­li­chen Apo­the­ke. Das liegt zum einen daran, dass hier grö­ße­re Men­gen be­nö­tigt wer­den, die eine Ei­gen­her­stel­lung loh­nend ma­chen und zum an­de­ren daran, dass hier mehr in­di­vi­du­el­le Re­zep­tu­ren ver­schrie­ben wer­den.

Immer mehr Kran­ken­häu­ser gehen dazu über, Apo­the­ker auch di­rekt „am Bett des Pa­ti­en­ten“ in die The­ra­pie ein­zu­bin­den, um durch op­ti­ma­le Ab­stim­mung der Me­di­ka­men­te Kos­ten zu spa­ren und dem Wohl der Pa­ti­en­ten zu die­nen. Als Mit­glied der Arz­nei­mit­tel­kom­mis­si­on des Kran­ken­hau­ses ist der Apo­the­ker au­ßer­dem an der Ent­schei­dung be­tei­ligt, wel­che Arz­nei­mit­tel im Kran­ken­haus ver­wen­det wer­den. Im Ge­gen­satz zu öf­fent­li­chen Apo­the­ken, in denen sich die Ar­beits­zeit in der Regel an den La­den­öff­nungs­zei­ten ori­en­tiert, wird in der Kran­ken­haus­apo­the­ke häu­fig im Schicht­dienst ge­ar­bei­tet.

Weg zum Apotheker

Um sich Apo­the­ker nen­nen zu dürfen, muss man eine Reihe von Kri­te­ri­en erfüllen, die in der Ap­pro­ba­ti­ons­ord­nung fest­ge­legt sind. Zu­nächst wird ein 4-jäh­ri­ges Phar­ma­zie­stu­di­um ab­sol­viert, das durch prak­ti­sche Pha­sen er­gänzt wird: Eine 8-wö­chi­ge Fa­mu­la­tur, die mit einem Be­triebs­prak­ti­kum ver­gleich­bar ist und ein Jahr prak­ti­sche Aus­bil­dung im An­schluss an das ei­gent­li­che Stu­di­um. Dazu werden von der Fa­mu­la­tur min­des­tens vier Wo­chen in einer öf­fent­li­chen Apo­the­ke ab­ge­leis­tet.

Um die Ap­pro­ba­ti­on, also die Be­rufs­be­rech­ti­gung, be­an­tra­gen zu kön­nen, muss außerdem die Phar­ma­zeu­ti­sche Prüfung be­stan­den wer­den, die in drei Ab­schnit­ten im An­schluss an Grund­stu­di­um, Haupt­stu­di­um und das prak­ti­sche Jahr ab­ge­legt wird.

Ver­ant­wor­tung für den Pa­ti­en­ten

Der Sinn die­ser stren­gen Re­ge­lung ist klar: Apo­the­ker haben eine große Ver­ant­wor­tung ge­ge­nüber ihren Kun­den. Zum Bei­spiel kön­nen nicht er­kann­te Wech­sel­wir­kun­gen mit an­de­ren Me­di­ka­men­ten ge­fähr­li­che Aus­wir­kun­gen haben. Zudem ist der Apo­the­ker die letz­te Per­son, die zwi­schen dem Pa­ti­en­ten und dem Me­di­ka­ment steht.

Nicht immer wis­sen z. B. Fach­ärz­te, wel­che wei­te­ren Me­di­ka­men­te der Pa­ti­ent von an­de­ren Ärz­ten ver­schrie­ben be­kom­men hat oder wel­che frei­ver­käuf­li­chen Arz­nei­mit­tel der Pa­ti­ent ein­nimmt. Es ge­hört daher zur Auf­ga­be des Apo­the­kers, ab­zu­klä­ren, ob Ri­si­ko­fak­to­ren vor­lie­gen, die gegen die Ein­nah­me des ver­schrie­be­nen Me­di­ka­ments spre­chen. In die­sem Fall setzt sich der Apo­the­ker mit dem be­treu­en­den Arzt in Ver­bin­dung. Die mehr­jäh­ri­ge Aus­bil­dung zum Apo­the­ker wird durch eine Tä­tig­keit be­lohnt, die hohes An­se­hen ge­nießt.

Ver­trau­ens­per­son Apo­the­ker

ApothekerDer Beruf des Apothekers ge­hört zu den Be­ru­fen, denen die Deut­schen am meis­ten ver­trau­en: In einer re­prä­sen­ta­ti­ven Um­fra­ge des Ma­ga­zins Re­a­der’s Di­gest aus dem Jahr 2010 lan­de­ten sie auf Platz vier hin­ter Feu­er­wehr­leu­ten, Pi­lo­ten und Kran­ken­schwes­tern. 87% der be­frag­ten Deut­schen spra­chen Apo­the­kern „sehr hohes“ bzw. „ziem­lich hohes“ Ver­trau­en aus.

Die Aus­sich­ten auf eine feste An­stel­lung in einer öf­fent­li­chen Apo­the­ke sind gut. Au­ßer­dem eig­net sich der Beruf als Apotheker gut zur Ver­ein­ba­rung von Beruf und Fa­mi­lie. In fast jedem Ort gibt es min­des­tens eine Apo­the­ke. Dies er­mög­licht, sei­nen Wohn­ort re­la­tiv frei zu wäh­len, ohne Rück­sicht dar­auf, wo pas­sen­de Un­ter­neh­men an­ge­sie­delt sind oder weite An­fahrts­we­ge in Kauf ge­nom­men wer­den. Zudem ge­stat­ten ge­re­gel­te Ar­beits­zei­ten eine gute Pla­nung des All­tags. In grö­ße­ren Apo­the­ken ist es au­ßer­dem oft mög­lich, in Teil­zeit zu ar­bei­ten.

Als ap­pro­bier­ter Apo­the­ker kann man sich mit einer ei­ge­nen Apo­the­ke selbst­stän­dig ma­chen, wenn das nö­ti­ge Ka­pi­tal vor­han­den ist. Dabei müssen zahl­rei­che Be­stim­mun­gen be­ach­tet wer­den, zum Bei­spiel zu Be­triebs­räu­men und Ar­beits­recht. Auch die sich stän­dig än­dern­den Ge­set­ze und Ver­ord­nun­gen muss der Apo­the­ker ken­nen und im Auge be­hal­ten, um sie um­set­zen zu kön­nen. Buch­hal­te­ri­sche Auf­ga­ben wer­den in der Regel nach La­den­schluss er­le­digt.

Wich­ti­ge Fä­hig­kei­ten sind neben Fach­kennt­nis­sen eine sehr gute Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keit und Em­pa­thie ge­ge­nüber den Kun­den. Selbst­stän­di­ge Apo­the­ker be­nö­ti­gen au­ßer­dem kauf­män­ni­sche Kennt­nis­se, um die Apo­the­ke wirt­schaft­lich zu führen sowie die Fä­hig­keit zur Per­so­nal­führung und evtl. Schu­lung oder Aus­bil­dung von Mit­ar­bei­tern. Apo­the­ker, die in einer Kran­ken­haus­apo­the­ke ar­bei­ten möch­ten, soll­ten mit Schicht­dienst zu­recht­kom­men.

Eine Pro­mo­ti­on ist für eine Tä­tig­keit in einer öf­fent­li­chen Apo­the­ke nicht nötig, kann aber in an­de­ren Be­rei­chen dennoch sinn­voll sein. Mög­lich­kei­ten zur be­ruf­li­chen Ver­än­de­rung sind zum Bei­spiel ein Ein­stieg als Sa­ni­täts­of­fi­zier bei der Bun­des­wehr, ein Wech­sel in die phar­ma­zeu­ti­sche In­dus­trie oder an eine Hoch­schu­le.

Wie viel verdient ein Apotheker?

Die Vergütung eines Apothekers ist in der Regel durch einen Tarifvertrag bestimmt. Diese Tarifverträge erfolgen zwischen dem Arbeitgeberverband Deutscher Apotheken (ADA) bzw. der Tarifgemeinschaft der Apothekenleiter Nordrhein (TGL-Nordrhein) und der  Apothekengewerkschaft ADEXA.

Vor diesem Hintergrund, hatten die ADEXA und die ADA im August einen neuen Gehaltstarifvertrag ausgehandelt. Seit dem 1. September 2018 stieg somit die Vergütung aller Apothekenmitarbeiter an. Das dabei ausgehandelte Plus um 3 % gilt damit in allen Brufs- und Altersgruppen. Ebenso erhalten auch die Auszubildenden nun mehr Geld. Mit einer Laufzeit von 16 Monaten ist der neue Vertrag demnach bis Ende 2019 gültig.

Die ausgehandelten Vergütugen gelten für alle Bundesländer mit Ausnahme von Sachsen und die Region Nordrhein. Dies rührt von der Tatsache, dass in Sachsen keine ADEXA-Tarife gelten, da der Sächsische Apothekerverband kein Mitglied der ADA ist. Bezüglich Nordrhein, werden dort jeweils eigene Tarifverträge zwischen der TGL-Nordrhein und der ADEXA verhandelt.

Abgesehen davon, wurden bis auf die Zusatzvergütung der Nachtdienste zwischen 22:00 und 8:00 Uhr morgens alle Lohnspalten gemäß der 3 % Erhöhung angepasst. Dies beinhaltet ebenso die Anpassung für die Zusatzvergütungen für Sonn- und Feiertage sowie die Notdienstzulage von 18:30 bis 22:00 Uhr.

In der unten stehenden Tabelle sind die Ergebnisse der Tarfiverhandlungen visuell dargestellt.

 

Bruttomonatsgehalt Notdienstzulage (18:30-22:00 Uhr) Notdienstzulage (22:00-8:00 Uhr) Wochenendzulage

1. Jahr

3.463 €

70 €

85 €

210 €

2.-5. Jahr

3.573 €

72 €

85 €

217 €

6.-10. Jahr

3.839 €

78 €

85 €

233 €

ab 11. Jahr

4.199 €

85 €

85 €

255 €

Quelle: DAZ.online, So viel verdienen angestellte Apotheker ab dem 1. September

Erfolgsfaktoren für Apotheker

  • Erfolgreich abgeschlossenes Pharmaziestudium
  • Approbation
  • Kommunikationsfähigkeit, Empathie
  • Beratungsgespräche führen können
  • Serviceorientierung
  • Kaufmännische Kenntnisse (insbes. bei Selbstständigkeit)
  • Bereitschaft zu Notdienst (öff. Apotheke) bzw. Schichtdienst (Krankenhausapotheke)
  • Führungsqualitäten
  • Kenntnis einschlägiger gesetzlicher Bestimmungen