Pharmatechnik

Eine Spezialisierung innerhalb der Schnittmenge aus Verfahrenstechnik und den Lebenswissenschaften (Life Sciences) ist die Pharmatechnik. Ingenieure mit diesem Schwerpunkt arbeiten fokussiert in der industriellen Gesundheitswirtschaft, besonders hier in der Pharmaindustrie. Warum? Arzneistoffe sind ganz besondere Produkte. Ihre Inhaltsstoffe, genannt Wirkstoffe, müssen in Gehalt, Reinheit und Gesamtanwendung besondere Qualitätsmerkmale aufweisen. Und das beginnt beim Rohstoff und deren erster Verarbeitungsstufe und setzt sich fort bis zum verpackten Produkt, welches  über die Apotheken zu den Patienten gelangt. Process Analytical Technology heißt in der Pharmaindustrie Qualitätsverbesserung, um unter möglichst optimalen Prozessbedingungen ein fehlerfreies Produkt bei möglichst niedrigen Kosten herzustellen.

Bayer Bitterfeld GmbH

Die Ausbildung eines Pharmatechnikers ist vielseitig: Schwerpunkte sind z.B. MINT-Grundlagen und verfahrenstechnischen bzw. pharmazeutisch-technische Kenntnisse. Zudem werden pharmazeutische Grundlagen vermittelt: Wirkstoffkunde, Pharmakologie und Toxikologie. Die Analytischen Methoden zur Herstellung und Produktkontrolle werden praktisch an den Messgeräten gelehrt. Zudem werden Logistik, Verpackungstechnik, Good Manufacturing Practice (GMP) und Arzneimittelrecht vermittelt. Ein Hauptbetätigungsfeld der Pharmatechniker ist die Qualitätskontrolle der Produkte: bei ca. 3000 in Deutschland zugelassenen Wirkstoffen gibt es ca. 10.000 verschiedene Anwendungsformen, die auch als Darreichungsformen bezeichnet werden: Tabletten, Dragees, Zäpfchen, Salben und Gele, Emulsionen, Sprays oder Infusionslösungen. Zudem wird jedoch jeder einzelne Prozess vom Rohstoff bis zum Fertigprodukt unter Kontrolle gestellt: Mahlen, Trocknen, Granulieren, Pressen, Beschichten u.s.w..

Pharmaindustrie und moderne Herausforderungen

Die Gesundheit der Menschen ist ein wichtiges Ziel der humanen Gesellschaft. Somit ist die Pharmabranche eine zukunftsorientierte und stabile Branche innerhalb der industriellen Gesundheitswirtschaft. Rund 114.000 Menschen sind in Deutschland bei Pharmaunternehmen angestellt (Stand 2015, BPI). Seit 2010 ist die Anzahl der Angestellten mit 10,5 Prozent überdurchschnittlich gewachsen. Im Durchschnitt beschäftigen deutsche Pharmaunternehmen ungefähr 300 Mitarbeiter. Mehr als 90 Prozent der Unternehmen hatten im Jahr 2014 weniger als 500 Angestellte, nur 6,6 Prozent der Hersteller hatte nach Angaben des BPI mehr als 500 Mitarbeiter. Mit etwa 20 Prozent Beschäftigtenanteil in Forschung und Entwicklung liegt dieser über dem Durchschnitt der Spitzentechnologiesektoren. Digitalisierung und Automatisierung werden in den nächsten Jahrzehnten auch die Produktion von Arzneistoffen beeinflussen. Jedoch werden aufgrund der vielen Wirkstoffe, deren Optimierungen in neuen Applikationen und neuen therapeutischen Ansätzen stets auch ein Bedarf an Ingenieuren der Pharmatechnik vorhanden sein, um eine Vielzahl von Herstellungsprozessen, oft auch in kleinen Maßstäben, zu lenken.

Weitere neue Herausforderungen kommen auf die Pharmabranche zu:

  • Sicherheit der Produkte vor Produkt- Fälschungen
  • Neue spezielle Zubereitungen, z.B. in der Krebstherapie
  • Anwendungen, zugeschnitten auf die Konstitution des einzelnen Patienten
  • Nachhaltige Pharmazie zum Schutz unserer Gewässer

 

Der Beruf des Pharmatechnikers ist vielseitig, seine Fähigkeiten reichen von ingenieurtechnischen, pharmazeutischen bis zu betriebswirtschaftlichen Kenntnissen. Somit ist er bestens gewappnet für einen zukünftigen Karriereweg in der Pharmaindustrie, die sich durch Automatisierung und Digitalisierung verändern wird.