Berufsperspektiven für Pharmazeuten

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Der Wunsch nach mehr Lebensqualität

Seit Anbeginn der Menschheit werden Kräuter oder Extrakte verwendet, um Schmerzen zu lindern und Krankheiten zu heilen. Wer kennt die Produkte der Pharmaindustrie nicht! Sei es eine einfache Kopfschmerztablette, der süße Hustensaft oder das Breitbandantibiotikum.

Erstaunlich ist, dass es erst seit ca. 120 Jahren der Arzneimittelforschung möglich ist, gezielt Medikamente auf der Basis einzelner Wirksubstanzen zu entwickeln. Jedoch sind bis heute viele Krankheiten nicht therapierbar. Gleichzeitig steigt die Lebenserwartung der Menschen und der Wunsch nach mehr Lebensqualität. Diese Aspekte erhöhen die Nachfrage nach gesundheitsbezogenen Therapien und Produkten und eröffnen somit Naturwissenschaftlern, Ingenieuren und Medizinern ein breites Spektrum an Berufsfeldern und ein enormes Potential an Arbeitsplätzen.
Absolventen von pharmazeutischen Studiengängen bieten sich vielfältige Berufsperspektiven. Viele Pharmazeuten wählen den Weg in die öffentliche Apotheke oder Krankenhausapotheke und üben den klassischen Beruf des Apothekers aus. Es gibt aber auch vielfältige Möglichkeiten in der Industrie z.B. in der Forschung und Entwicklung oder der Arzneimittelzulassung. Auch an Forschungs- oder Prüfinstituten, bei Krankenkassen oder in der Lehre bieten sich abwechslungsreiche Berufsbilder.

Die Pharmaindustrie

Die pharmazeutische Industrie bildet mit über 600 pharmazeutischen Unternehmen alleine in Deutschland, die forschungsintensivste Branche. Der Stellenwert Deutschlands als Pharmastandort wird aufgrund der hohen Qualitätsstandards und den technischen Innovationen in den nächsten Jahren immer bedeutsamer für den Arbeitsmarkt. Innerhalb der EU erzielt Deutschland den höchsten Umsatz und schafft somit einen enormen Wachstumsmarkt, der über 128.000 Angestellte umfasst.

Die DACH-Region

Die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) ist für Pharmaunternehmen aufgrund vieler Aspekte zu einem attraktiven Standpunkt geworden. Dazu zählen insbesondere die hervorragend ausgebildeten Arbeits- kräfte. Vor allem durch ihr naturwissenschaftliches und technisches Know-How sind Fachkräfte gefragt. Die DACH-Region profitiert aber auch durch ein dichtes Netzwerk guter Universitäten mit pharmazeutischen Fakultäten und einer Vielzahl außeruniversitärer Forschungseinrichtungen, wie Max-Planck-, Leibniz- und Fraunhofer-Instituten.

Aus der pharmazeutischen Forschung gingen bereits bahnbrechende Ergebnisse in Form von bekannten Produkten wie Schmerzmitteln, Blutdrucksenkern, Antibiotika, Rheuma- Medikamenten hervor, welche weltweit eingesetzt werden. Aber auch neue Wirkstoffe, die z.B. Kinder vor einer Ansteckung mit dem HI-Virus (HIV) im Mutterleib schützen sind aus deutschen pharmazeutischen Labors hervorgegangen. Innovationsstarke Wirkstoffe wie diese und viele mehr haben bis heute kontinuierlich den medizinischen Fortschritt vorangebracht und machen die DACH-Region zu einem lukrativen Standort für Pharmaunternehmen.

Die Pharmaindustrie – ein Spitzentechnologiesektor

Laut der Expertenkommission für Forschung und Entwicklung (EFI) ist die Pharmaindustrie die forschungsintensivste Industrie. Sie liegt vor der Automobil- und Maschinenbau-Branche ebenso wie vor der chemischen Industrie, die zu dem Sektor der Hochtechnologien gehören. Pharmaunternehmen investieren ca. 15% ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklungsprojekte. Ein komplexer noch dazu langwieriger Prozess der Medikamentenentwicklung, der zehn bis 14 Jahre dauern kann, erklärt die hohen Investitionsraten.

Es können abhängig von dem herzustellenden Medikament Kosten in Höhe von einer Milliarde Euro entstehen. Der komplexe Entwicklungsprozess umschließt mehrere Phasen: Von der Forschung und Entwicklung über die Patentanmeldung bis zur Produktion, der Markteinführung, dem Vertrieb und schließlich die Therapie von Patienten. Hinzu kommt eine ganze Bandbreite an administrativen Aufgaben. Alle diese Bereiche versprechen spannende Berufsfelder für Naturwissenschaftler, Ingenieure und Mediziner.

Der Forschungs- und Entwicklungsprozess besteht u.a. aus einer präklinischen Phase, die intensive Laborarbeit beinhaltet, um grundsätzliche Fragen der Toxizität, der Wirksamkeit und der Pharmakologie zu klären.

Trotz des hohen Arbeits- und Kostenaufwandes des Forschung- und Entwicklungsprozesses bringen Pharmaunternehmen Jahr für Jahr immer wieder neue Medikamente auf den Markt. Allein 2017 wurden über 1.350 neue Arzneimittel zugelassen. Dieser langjährige und komplexe Prozess der Arzneimittel Entwicklung und Herstellung schließt verschiedene Tätigkeitsfelder und Berufsbereiche mit ein und schafft so ein enormes Beschäftigungspotential sowohl heute als auch in der Zukunft.

Wer wird gesucht? – Pharmazeuten und …

Die Pharmaindustrie sucht aber nicht nur Pharmazeuten, Mediziner, Biologen, Chemiker und die technischen Assistenten wie PTAs, BTAs, CTAs, und MTAs. Auch interdisziplinäre Studiengänge aus dem Ingenieurwesen und der Informatik, wie z.B. Biotechnologie bieten ausgezeichnete Karrierechancen.

Naturwissenschaftler, Mediziner und Ingenieure werden in den verschiedensten Tätigkeitsfeldern in der Pharmaindustrie benötigt und eingesetzt. Es gehören u.a. die Bereiche: Produktion, Qualitätskontrolle, Marketing, Medizinische Anwendung, Zulassung, Vertrieb oder die Gesundheitspolitik dazu. Der Karriereeinstieg in die Pharmabranche ist also vielfältig. Sowohl Akademiker als auch technische Assistenten verdienen in der Pharmabranche überdurchschnittlich gut im Vergleich zu anderen Spitzentechnologiebranchen.

Aufgrund dessen verdienen nicht nur die Akademiker sondern auch die Technischen Assistenten in der Pharmabranche überdurchschnittlich gut im Vergleich zu anderen Spitzentechnologiebranchen.

Pharmazeuten & Innovationen

Investitionen in Forschung & Entwicklung ermöglichen das Angebot neuer und verbesserter Produkte sowie Produktionsverfahren und bestimmen damit die nationale und internationale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Gleichzeitig sind sie die treibende Kraft für die Verbesserung der Behandlung von Patienten. Durch den hohen Aufwand bei der Wirkstoffentwicklung verkaufen kleinere Unternehmen meist Teile ihrer entwickelten Pipelines an größere Unternehmen und treiben so die Innovationsstärke voran.
Verwandte Branchen wie die Biotechnologie sind wichtige Innovationsmotoren für die Pharmaindustrie. Die Biotechnologie setzte nicht nur ihren Wachstumskurs fort: Junge Start-Ups und mittelständische Unternehmen entwickeln kontinuierlich innovative Produkte und prägen somit den Standort Deutschland.

Von über 615 biotechnologischen Unternehmen sind die meisten im Gesundheitssegment einzuordnen und beschäftigen sich mit Entwicklungsprojekten für neue Biopharmazeutika. Schwerpunkte bilden in der klinischen Forschung z.B. Krebs- und Autoimmunpräparate sowie Impfstoffe. Die molekulare Diagnostik wird maßgeblich durch die Biotechnologie etabliert.

Zukunft der Pharmaindustrie

Trotz der vielen Fortschritte, die in den letzten Jahren in der Forschung erzielt wurden, können die meisten der uns heute bekannten Krankheiten nicht adäquat behandelt werden. Somit wird sich die Forschung und Entwicklung von neuen Medikamenten und Therapiemethoden auch in der Zukunft weiteren Herausforderungen stellen.

Globale Faktoren wie eine wachsende Weltbevölkerung und der demografische Wandel, aber auch der kontinuierliche wissenschaftliche Fortschritt sichern Pharmaunternehmen ein konjunkturunabhängiges Wachstum. Dies sichert das Entstehen vieler neuer Arbeitsplätze.

Gefragte Studiengängen und Abschlüsse in der Pharmaindustrie

  • Pharmazie, Chemie, Biologie, Informatik
  • Chemie-, Pharma- oder Verfahrenstechnik
  • Medizin
  • Medizinwissenschaften
  • Ingenieurwesen
  • Technische Assistenten und Laboranten (PTA, BTA, CTA, MTA…)